Stadtfuehrungen in Berlin und Potsdam
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Walking Tour: The Potsdamer Platz – yesterday and today

     Die Eröffnung der ersten preußischen Eisenbahnlinie 1838 zwischen Berlin und Potsdam brachte dem Platz als Startpunkt der Strecke einen großen Bedeutungsgewinn. Im Lauf des 19. Jahrhunderts entwickelte er sich zum wichtigsten Verkehrsknotenpunkt Berlins, umstanden von üppig verzierten Wohn- und Geschäftshäusern sowie einer Reihe von Hotels. Größten Luxus bot das Esplanade, in dem sich die Schönen und Reichen des kaiserzeitlichen Berlins trafen. Volkstümliche Unterhaltung gab es im Haus Vaterland, wo die Familie Kempinski einen beliebten Amüsierbetrieb mit Gastronomie, Tanz und Showprogramm etablierte. Der zunehmend chaotischer werdenden Verkehrsführung suchte man 1924 mit dem Bau der ersten Ampelanlage Europas beizukommen, die heute als Nachbau zu besichtigen ist.

Renzo Piano, Hans Kollhoff

Debis-Areal

Renzo Piano

Debis-Areal

Richard Rogers

Büro- und Geschäftshaus

Helmut Jahn

Sony Center

Hilmer & Sattler

Beisheim Center

Potsdamer Platz

     Nach schwersten Kriegszerstörungen und dem Bau der Berliner Mauer wurde dem Himmel über Berlin an dieser Stelle jahrzehntelang nichts als drei einsame Häuser inmitten öder Brachflächen geboten. Für dieses so hoffnungslos ins Abseits geratene Areal in Mauernähe existierten auf Westberliner Seite ab Mitte der Sechziger Jahre nur verkehrsverliebte Radikallösungen. Hinter dem von Hans Scharoun konzipierten Kulturforum sollte mit der "Westtangente" eine innerstädtische Autobahnschneise entstehen, die den Platz komplett aus der städtischen Topografie ausgelöscht hätte - eine Planung, die aufgrund bürgerlicher Proteste in der Schublade verblieb.

     Mit dem Mauerfall änderten sich schlagartig die Voraussetzungen für jede planerische Tätigkeit, lag dieses Areal doch nun im Herzen der wieder vereinigten Stadt. Zwischen 1994 und 2004 verwandelte sich die "größte Baustelle Europas" in den neuen Potsdamer Platz. Im Auftrag verschiedener Investoren wurde ein breites Spektrum zeitgenössischer Architektur realisiert. Das Debis-Areal entstand unter der Leitung Renzo Pianos, der zusammen mit sieben weiteren Architekturbüros, darunter Richard Rogers, Arata Isozaki und Hans Kollhoff, für eine abwechslungsreiche Gestaltung sorgte. Helmut Jahn schuf das Sony Center als ein auf sich fokussiertes Quartier gläserner Baukörper in einer kühlen, technizistischen Ästhetik, wobei eine effektvolle Zeltdachkonstruktion den Innenhof überspannt. Nebenan erhebt sich das Lennédreieck mit dem Beisheim-Center. Hier setzen der Turmbau des Ritz-Carlton von Hilmer & Sattler und Kollhoffs Hochhaus für das Bankhaus Delbrück weitere Höhenakzente. Zum Tiergarten schließen weitere Blöcke an, darunter ein Wohn- und Geschäftshaus von David Chipperfield.
     Nach dem ersten Jahrzehnt seines Bestehens lässt sich konstatieren, dass der anfänglich sehr kontrovers diskutierte Platz sich als ein lebendiges Stadtquartier etabliert hat. Das gilt besonders für das Debis-Areal. Mit seiner zum Teil über historischem Grundriss ruhenden Straßenführung, der Zentrierung auf einen Platz und seiner Mischung aus Wohnen, Geschäften und Kultur verbindet es ein traditionelles europäisches Stadtkonzept effektvoll mit anderen Akzenten. Bei den Turmbauten, die Referenzen an die frühe Hochhausarchitektur Chicagos oder New Yorks enthalten, zeigt sich ein großstädtischer Anspruch, der stark vom Mythos der Zwanziger Jahre inspiriert ist.

Die Dauer dieser Architekturführung beträgt zwei Stunden. Sie können wählen, ob der Leipziger Platz oder das Kulturforum in die Führung integriert wird.

 

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