Stadtfuehrungen in Berlin und Potsdam
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Zwischen Utopie und Alltag - Die "Stalinallee"

     Der Bezirk Friedrichshain lag noch in Trümmern als 1949 die Frankfurter Allee auf Order der Staats- und Parteiführung den Namen Stalins und ein überlebensgroßes Bronzedenkmal des Diktators erhielt. Die ersten Neubauten, die hier entstanden, knüpften an Wohnsiedlungen der Weimarer Republik an und gingen auf Planungen Hans Scharouns zurück. Doch schon bald riefen sie den Unmut der obersten politischen Etage hervor: "Zu primitiv", "der Arbeiterklasse unwürdig", eine Architektur, die an "Eierkästen" erinnere, schimpfte man abschätzig. Dahinter steckte eine von der Sowjetunion beeinflusste, ideologisch motivierte Ablehnung der Moderne. Nach Moskauer Vorbild forderte man nun eine monumentale Architektur mit Anlehnung an nationale Traditionen.

Blick Richtung Alexanderplatz

Frankfurter Tor

Arch. H. Henselmann

Turmbau

O. Grotewohl, 1952

Grundstein Block E

Arch. R. Paulick

Block C

Maurer, Block G

Kunst am Bau

Arch. H. Hopp

Block G

Block G

Fassadenmalerei

Arch. H. Henselmann

Weberwiese

Arch. H. Henselmann

Haus Berlin

Arch. J. Kaiser

Kino International

Arch. J. Kaiser

Café Moskau

Karl-Marx-Allee, ehem. "Stalinallee"

     Sechs Architektenkollektive, unter Mitwirkung von Hermann Henselmann, Richard Paulick und Hanns Hopp, entwarfen nun eine prächtige, neoklassizistische Bebauung, die ab 1952 im Zuge des „Nationalen Aufbauprogramms“ begonnen wurde. Parallel zum Aushub der Baugruben, rückten Tausende von freiwilligen Helfern an, um bei Trümmerbeseitigung, Baustoffgewinnung und Hilfsarbeiten anzupacken. In rekordträchtigen eineinhalb Jahren wurden die ersten 2.100 Wohnungen fertig gestellt. Hinter den monumentalen, palastähnlichen Fassaden verbargen sich erschwingliche, komfortable Mietwohnungen für Arbeiter. Stolz wurde die Straße gefeiert, als große Verheißung einer besseren Zukunft im Sozialismus. Doch schon wenige Monate später zeigte sich, dass dieser Gestus nicht den realen politischen und ökonomischen Verhältnissen des Landes entsprach. Eine von Ulbricht forcierte Sowjetisierung der DDR, spürbar schlechtere Lebensbedingungen bei immer mehr geforderter Arbeitsleistung erzeugten Unmut unter den Menschen. Die Bauarbeiter der Stalinallee waren ganz vorne bei den Protestaktionen dabei, die in den Volksaufstand des 17. Juni 1953 mündeten …

     Die Allee wurde noch sukzessive bis 1960 im ursprünglichen Stil vollendet, allerdings wurden zeitgleich kostengünstigere und schnellere Methoden für den Massenwohnungsbau entwickelt. Wieder folgte ein stilistischer Richtungswechsel, wie ihn die SU bereits nach Stalins Tod praktizierte. Mit der Entwicklung der industriellen Großplattenbauweise erlebte die anfänglich so verteufelte Moderne eine pragmatisch begründete Renaissance. Die Stalinallee wurde auch dafür herausragendes Zeugnis. Zwischen 1959 und 1965 wurde sie nach Entwürfen von Josef Kaiser, Werner Dutschke und Edmund Collein bis zum Alexanderplatz fortgesetzt. Die Ära der „Platte“ hatte begonnen. Mit dem Baustil wechselte auch der Name. Im Zuge der "Entstalinisierung" wurde die Magistrale zwischen Alexanderplatz und Frankfurter Tor in Karl-Marx-Allee umbenannt, der östlich daran anschließende Teil wurde wieder zur Frankfurter Allee; das Stalindenkmal klammheimlich abgeräumt.

     Der Straßenzug ist heute eines der wichtigsten Baudenkmäler der DDR, das noch weitgehend originalgetreu bei unserem Stadtrundgang besichtigt werden kann. Der Bau der "Stalinallee" hatte auch unmittelbare Auswirkungen auf Westberlin, wo als Konkurrenzprojekt das Hansaviertel entstand. In diesem Kontext kann man vom Städtebau im Kalten Krieg sprechen.


Die Dauer dieser Architekturführung beträgt zwei Stunden
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