Das Hansaviertel - Auf der Suche nach der "Stadt von morgen"
Als 1955 am Rand des Berliner Tiergartens die Abrissbagger anrückten, um das im Zweiten Weltkrieg stark beschädigte Hansaviertel zu beseitigen, war dies der Auftakt für das prestigeträchtigste Wohnungsbauprojekt der 1950er Jahre in West-Berlin. Beflügelt von Fortschrittsoptimismus und Zukunftsglauben sollte hier eine neue Idee vom Leben in der Großstadt in den Formen der Nachkriegsmoderne Gestalt annehmen. Schluss mit dem Mietskasernenelend, engen Straßenschluchten und labyrinthischen Hinterhöfen, so die Idee der Planer. Das "neue" Hansaviertel sollte dem Leitbild einer "aufgelockerten und durchgrünten Stadtlandschaft" verpflichtet sein und jedermann gleich gute Wohnbedingungen verschaffen.
Die Bundesregierung unterstützte den Berliner Senat finanziell bei dieser ehrgeizigen Unternehmung, denn es ging hierbei auch um den politischen Wettstreit der Systeme vor dem Hintergrund des "Kalten Krieges". Schließlich stand man seit 1951 von seiten des politischen Gegners gewaltig unter Druck: die gigantischen Häuserzeilen mit neoklassizistischem Dekor entlang der "Stalinallee" boten bisher nicht gekannten Wohnkomfort für Arbeiter und warben für den "real existierenden Sozialismus" im Ostteil der Stadt. Dem wollte man in West-Berlin mit einem eigenen Bauprojekt entgegentreten, das die Vorzüge der "sozialen Marktwirtschaft" demonstrieren sollte. Für die nötige Publikumswirksamkeit sorgte die Einbindung des Vorhabens in eine Internationale Bauausstellung 1957. Diese INTERBAU zeigte Beispiele für einen sozialen Wohnungsbau der gehobenen Art. Eine Auswahl internationaler Architekten lieferte die Entwürfe, darunter so berühmte Persönlichkeiten wie Le Corbusier, Walter Gropius, Alvar Aalto, Oscar Niemeyer und Max Taut.
Nach mehr als fünfzig Jahren ist das Hansaviertel zu einem historischen Zeugnis geworden, obwohl sich die hier formulierten städtebaulichen Prinzipien in vieler Hinsicht nicht durchsetzen konnten. Machen Sie sich bei dieser Architekturführung ein Bild vom Ensemble und der architektonischen Qualität seiner Einzelbauten, darunter Haus Gropius, Haus Niemeyer und Haus Baumgarten („Eternithaus“) sowie die Hansabibliothek, die Kaiser-Friedrich-Gedächtniskirche und die Akademie der Künste.
Dieser Architekturrundgang dauert ca. zwei Stunden.
















