Berlin als Bundeshauptstadt
Unser Rundgang durch die Bundeshauptstadt startet am neuen Berliner Hauptbahnhof. Dieser ingenieurtechnisch beeindruckende Kreuzungsbahnhof ist nicht nur eines der teuersten Verkehrsprojekte der deutschen Wiedervereinigung, sondern auch eine der modernsten europäischen Bahnhofsanlagen. Zugleich ist er das Entree zum neuen Regierungsviertel, dessen markante Silhouette bereits vom Bahnsteig aus zu sehen ist.
Nachdem der Deutsche Bundestag mit nur 18 Stimmen Mehrheit 1991 die Verlegung des Regierungssitzes von Bonn nach Berlin beschlossen hatte, folgte ein Umzug der Superlative. Für den Bundeskanzler und das Parlament wurde an der Spree in großem Umfang neu gebaut. Die architektonische Grundidee stammt von Axel Schultes, der einen langgestreckten Riegel von Gebäuden als „Band des Bundes“ über die Spree hinweg konzipierte. So wurden ehemals in Ost- und West-Berlin gelegene Bereiche miteinander verknüpft, um die deutsche Einheit zu versinnbildlichen. Eine gelungene Umsetzung dessen lieferte Stephan Braunfels mit der äußerst reizvoll gestalteten Baugruppe von Paul-Löbe- und Marie- Elisabeth-Lüders-Haus am Flussufer. Das dominante Bundeskanzleramt von Schultes und Charlotte Frank mit dem hoch aufragenden Mittelbau signalisiert den gewachsenen Machtanspruch des Bundeskanzlers gegenüber dem Parlament im Reichstagsgebäude.
Der 1894 eröffnete Reichstag des Architekten Paul Wallot steht für die Kontinuität Berlins als Hauptstadt. Kein anderes, noch existierendes Gebäude der Stadt ist ein so vielschichtiger und ambivalenter Brennpunkt der deutschen Geschichte, wo das Deutsche Kaiserreich, die Weimarer Republik, das Dritte Reich wie auch die deutsche Teilung ihre Spuren hinterlassen haben. Auch die Wiedervereinigung ist am Bau ablesbar: unter der Leitung von Sir Norman Foster erhielt das Parlamentsgebäude ein modernes Innenleben und eine begehbare, transparente Kuppel, die zum beliebtesten Publikumsmagneten der Stadt avancierte.
Vorbei am Brandenburger Tor geht es in die Wilhelmstraße. Das Bundesfinanzministerium, ursprünglich von Ernst Sagebiel als Reichsluftfahrtministerium für Hermann Göring erbaut, steht hier im Blickpunkt. An diesem Gebäude kann man die Problematik der Umnutzung politisch belasteter Bauten im Kontext des Regierungsumzuges nachvollziehen. Entgegen populistischer Abrissforderungen, entschied man sich für einen behutsamen Umgang mit der historischen Bausubstanz und stellte sich damit der Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit. Die Tour endet am Bundesratsgebäude, dem ehemaligen „Preußischen Herrenhaus“, in der Leipziger Straße.
Die Dauer dieser Architekturführung beträgt ca. zweieinhalb Stunden.
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